Angekommen.

Der Versuch Berlin zu beschreiben muss scheitern. Diese Stadt ist zu groß, zu vielfältig, hier mischt sich hässliches und wunderschönes zu einem schrägen Cocktail, der für mich nur gelegentlich genießbar scheint. Wie an anderer Stelle schon bemerkt wurde, ließ die letzte Woche gar keinen Raum, sich mit der Stadt anzufreunden, von der ich eigentlich nur vorbeiziehende U-Bahnhöfe kenne und die ich das erste Mal länger als ein einziges Wochenende besuche.

So viel ist passiert und ich fühle mich um einen Monat reifer, obwohl tatsächlich nur eine Woche vergangen ist. Und die hatte es in sich. Mein Vorfreude vom Samstag bestätigte sich, die Winterakademie hielt meinen Erwartungen stand. Dieses tolle Gefühl, am Ende eines ereignisreichen Tages gemeinsam in der Kantine zu philosophieren und die Tage Revue passieren zu lassen. Diese Tage hatten es in sich, jeder von uns wurde auf  Belastbarkeit und Kreativität geprüft. Und ich konnte mir selbst beweisen, dass viel zu tun nicht gleichbedeutend mit Stress ist und dass man trotz viel Arbeit nicht gleich die Nerven verlieren muss. Über das, was in den letzten Tagen auf mich eingeprasselt ist, könnte man ein halbes Buch schreiben. Mir müssen am Ende zwei Seiten reichen, um zu beschreiben, was ich erlebt habe.

Dass sich 11 junge Menschen so sehr motivieren lassen und etwas schaffen, an das ich selbst nicht geglaubt hatte, ist eines der wichtigsten Ereignisse. 11 Jugendliche schaffen nach prominentem Vorbild eine Tauschaktion, die die Winterakademie um ein ganzes Jahr überdauern soll. Aus 6 Tagen Kunst-Labor wuchsen Verantwortung und Begeisterung. Und so wird auf Netzverformung weitergetauscht, auch wenn die jungen Leute das ganze Projekt am Samstag hätten abhaken können. Und am Samstag standen sie alle gemeinsam auf der Bühne und boten dem Publikum eine Präsentation, der man nicht anmerkte, dass sie erst 2 Stunden zuvor unter Zeitdruck zusammengebastelt wurde.
Daneben ein tolles Team, mit dem sich super arbeiten lässt und von dem ich ebenfalls lernen kann. Ruhig bleiben und durchatmen, dann schaffen wir das gemeinsam. Hier habe ich mich von Anfang an wohl gefühlt und ich werde mich nur schwer wieder trennen können.

Die Aussicht auf die nächsten Wochen. Erstmal zur Ruhe kommen und die wirbelnden Gedanken der Winterakademie sacken lassen, ordnen und verarbeiten. Und dann vor allem: Theater. Am Montag der Startschuss in der Schaubühne und die Erkenntnis, dass Wolfgang Borcherts Sprache sich auch durch merkwürdige Inszenierungsideen nicht kaputt machen lässt. Könnte ich nur auch einmal so klar und eindringlich schreiben. Hitzige Diskussionen im Anschluss, die zeigen: Theater ist aktuell. Theater kann zum Nachdenken anregen. Theater muss nicht nur unterhalten. Theater berührt und verstört. Und wieder das Gefühl, dass mein Weg der Richtige ist.
Die Woche setzt sich fort mit Theaterbesuchen in Mengen. Wenn ich schon in Berlin bin, möchte ich es auch ausnutzen, oft ins Theater zu gehen. Auch wenn sich Berliner Theater manchmal gar nicht so stark von den Rostocker Inszenierungen unterscheidet, wenn es mit einfachen Gags versucht, die Masse zu erreichen. Eine Masse, die von den Regisseuren manchmal zu stark unterschätzt wird, wenn sie meinen, sie müssten die besten Gags noch einmal ganz deutlich erklären. Damit auch der letzte sie versteht. Nach einer albernen Shakespeare-Klamotte dann „Der Kirschgarten“ am Deutschen Theater. Eine tolle, aufregende und rührende Inszenierung, deren Ende mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt, während im Saal das Licht angeht. Und zwischendurch immer wieder Vorstellungen an der Parkaue. Witzige und schön gemachte Kinderstücke, die auch für Erwachsene viel Spaß bieten.

Die Zeit fliegt. „Verweile doch…“ wie schon der ‚Shakespeare seiner Zeit‘ sagte.

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