Happy Hour

MachinaESC

Seit mittlerweile drei Wochen wartet dieser Artikel auf seine Veröffentlichung, aber erst jetzt habe ich die Zeit, noch einmal in Ruhe zu lesen, was ich damals in euphorischer Begeisterung als Entwurf abgespeichert habe.

Schon vor Jahren habe ich mir vorgestellt, wie gut es doch wäre, wenn man Computerspiele quasi in echt spielen könnte. machina eX machen genau das schon seit einer Weile möglich, sie bieten „theatrale point’n’click-Adventures in lebensechter Grafik“. Theater und Computerspiel in einem! Als ich die Website von machina eX vor ein paar Wochen entdeckte, war ich schon total begeistert, dass ein Kollektiv von jungen Menschen Computerspiele „in echt“ durchführt. Noch begeisterter war ich, als ich feststellte, dass machina eX ihr neuestes Spiel ausgerechnet dann in Zürich vorstellen würden, wenn ich dort für ein paar Tage Urlaub mache.

Und es war wahnsinnig toll! Anders als die bisherigen Spiele, bei denen die Zuschauer wohl aktiv spielten – sich durch Räume bewegten und mit Objekten interagierten – ist „Happy Hour“ ein ferngesteuertes Spiel. Auf einem Fernsehschirm sieht man seine Spielfigur – einen Darsteller von machina eX. Und mittels einer cleveren Steuerung können die Spieler, also die „Zuschauer“, dieser Spielfigur Befehle geben, im Raum verteilte Objekte zu benutzen oder miteinander zu kombinieren. Ein klassisches Computer-Adventure nur mit einem echten Menschen in einer echten Umgebung, der von den Zuschauern gespielt wird. Und das funktioniert wirklich so, wie man das von point’n’click-Adventures am Computer kennt. Gegenstände müssen miteinander benutzt werden, damit man neue Gegenstände erhält, in neue Räume vordringen kann und dem Ziel des Spiels einen Schritt näher kommt.

Gespielt wurde an zwei Casino-Tischen, die Platz für jeweils sechs Spieler bieten. Diese müssen nun gemeinsam verhandeln, welche Aktionen ihre Spielfigur ausführen soll. Etwas problematisch war für mich zu Beginn, dass ich das Spielprinzip sofort verstanden hatte und aus Computerspielen kannte und damit sofort loslegen konnte, während meine Mitspieler zunächst kurz „reinkommen“ mussten, bevor sie miträtselten. Das ging aber sehr flott und dann konnten wir gemeinsam überlegen, was zu tun sei. Leider setzte uns der vom Spiel vorgegebene Zeitrahmen leicht unter Druck, so dass wir einige Hinweise nicht beim ersten Mal mitbekamen, weil wir uns entweder berieten, während unsere Spielfigur noch sprach oder zu schnell versuchten, den nächsten Handlungsbefehl zu geben. Besonders ärgerlich wurde es, als unsere Spielfigur auf ziemlich fiesem Weg ums Leben kam, aber diese Sequenz war so gut gemacht, dass wir eher mit dem Gegner-Team lachten, als uns zu ärgern. Das sind aber nur Kleinigkeiten, die den Spielspaß in keinster Weise mindern.

Ich mag mir gar nicht vorstellen, was für ein technischer und personeller Aufwand nötig ist, um dieses Spiel möglich zu machen. Auf der Website von machina eX sieht man, dass wesentlich mehr Menschen an der „Inszenierung“ beteiligt waren, als man überhaupt zu Gesicht bekommt. Ich kann es nur empfehlen „Happy Hour“ zu besuchen. Das Spiel bietet ungeheuren Spaß und das mit Sicherheit auch für Menschen, die mit Computerspielen nichts anfangen können. Hier treffen Technik und Theater aufeinander und bilden eine tolle Mischung.

Ich werde auf jeden Fall versuchen, weitere Spiele von machina eX zu spielen, wenn diese in erreichbarer Nähe aufgeführt werden. Denn so viel Spaß und Begeisterung, wie an diesem Abend, hatte ich lange nicht mehr.

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